Empfehlungs-Widgets auf Zahnarzt-Webseiten

Gepostet am Aktualisiert am

Imedo Jameda Widget ZahnärzteNach den Änderungen im Heilmittelwerbegesetz (HWG), wonach mit Empfehlungen und Äußerungen von Dritten geworben werden darf bzw. die Restriktionen gelockert wurden, war es nur noch eine Frage der Zeit bis die grossen Bewertungsportale hier Tools anbieten um dieses zu nutzen. Wir haben uns mal die Angebote der Unternehmen jameda und imedo angeschaut und haben die Vor- und Nachteile anhand der Webseite einer Zahnarztpraxis in Düsseldorf untersucht.

Zu den Vorteilen: Kundenempfehlungen und Siegel schaffen immer Vertrauen. Dieses Prinzip machten sich bisher vor allem die Onlineshops zu Nutze indem sie Kundenbewertungen und Siegel von Trusted Shops, ekomi & Co prominent auf der Startseite positionieren. Vorraussetzung ist natürlich, dass diese Kundenbewertungen in Qualität und Quantität passen. Doch zurück zur Zahnarztpraxis in Düsseldorf. Hier haben wir ein Top 20 Listing bei jameda für 2012 und volle 5 Sterne mit 58 Bewertungen bei imedo. Wie diese Bewertungen zustande gekommen sind wollen wir hier nicht weiter untersuchen. Wer sich über dieses Thema genauer Informieren will, dem sei der Artikel Online Reputationsmanagement mit externen Dienstleistern empfohlen. Ist also die Integration der Widgets für die Zahnarztpraxis nur mit Vorteilen verbunden? Nicht nur. Die Integration hat unter bestimmten Voraussetzungen auch Nachteile.

Einer davon ist, dass die Zahnarztpraxis-Webseite durch die Widgets sogenannten Linkjuice verliert. Linkjuice (“Linksaft”) ist unter SEO (=Search Engine Optimisation) Spezialisten eine gerne gebrauchte bildliche Umschreibung für die Linkpower die durch einzelne Verlinkungen von anderen Webseiten auf eine Seite fliesst. Normal bekommt die Startseite einer Domain immer am meisten Linkjuice, der dann über die interne Verlinkung (z.B. das Menü) auf die Unterseiten fliesst. Verlinkt man nun von der eigenen Startseite auf externe Webseiten, fliesst ein Teil des kostbaren Linkjuice ab und stärkt damit in Bezug auf SEO die externen Seiten. Im Extremfall verschlechtert sich damit das eigene Ranking bei Google und das Ranking der verlinkten Seite verbessert sich. Die Webseite unseres Zahnarztes in Düsseldorf hat 21 Links auf der Startseite. Davon gehen 2 zu jameda und gleich 4 zu imedo. Also gehen ca. 20 % der Linkpower an externe Seiten statt an eigene, interne Unterseiten. Diesen Effekt muss man dann durch zusätzlichen Aufbau von externen Links auf die Webseite der Zahnarztpraxis kompensieren. Wer allerdings mit seiner Zahnarztpraxis keine ernsthaften SEO Aktivitäten betreibt oder in eher ländlicheren Gebieten mit geringer Mitbewerberdichte praktiziert, braucht diesen Effekt nicht zu fürchten.

Der zweite Effekt ist für Laien noch schwerer zu greifen, hat aber ebenfalls etwas mit den Besonderheiten des Onlinemarketings zu tun. Mit dem Aufruf der Praxiswebseite setzten jameda und imedo sogenannte Cookies bzw. etags auf den Rechner des Besuchers. Diese können unter anderem dafür verwendet werden, Benutzerprofile über das Surfverhalten eines Benutzers zu erstellen. Über das imedo Widget wird anscheinend sogar noch ein Cookie eines Drittanbieters auf dem Rechner des Besuchers platziert. Aber aus welcher Motivation setzen Bewertungsportale wie jameda und imedo Daten auf den Rechnern von Besuchern einer Webseite wo ihr Widget integriert ist ab? Was bedeutet das für den Besucher der Webseite der Zahnarztpraxis und vor allem für den Zahnarzt selber? Die Antworten auf diese Fragen sind sehr komplex und können nicht im Rahmen dieses Artikels beantwortet werden. Deshalb möchten wir keine eigene Wertung abgeben und können nur jedem Zahnarzt der darüber nachdenkt diese Widgets zu verwenden empfehlen, sich hier von seiner Webagentur umfassend beraten zu lassen.

Wir haben in Bezug auf das Thema Cookies Kontakt mit jameda und imedo aufgenommen und die folgenden Statements bekommen (die Aussagen über den Einsatz von Cookies bzw. etags vom imedo und jameda waren eine Momentaufnahme und können aktuell nicht mehr zutreffen).

Informationen von Jameda:

Frage: Wozu setzt jameda bei einem Besuch einer Webseite mit eingebundenem Widget ein Cookie. Wird auf das Cookie bei einem Besuch der jameda Webseite oder anderer Webseiten zugegriffen?

Antwort: Aus Datenschutzgründen setzen wir keinen Cookie bei der Einbindung eines Widgets.

Frage: Wird der Besuch einer Webseite mit eingebundenem Widget getrackt und in irgendeiner Form gespeichert, ausgewertet oder zugeordnet?

Antwort: Nein, wir tracken keine Besuche auf Websites, auf denen ein Widget eingebunden wurde. Entsprechend gibt es auch keine Speicherungen oder Auswertungen solcher Daten und schon gar keine Zuordnungen zu Nutzern. Das Einzige, was wir tracken, sind die Anzahl der Klicks auf diese Widgets: Klickt ein Nutzer aktiv auf einen Link innerhalb des Widgets und landet darüber bei jameda.de, wird das anonymisiert als Kampagnen-Klick gezählt und gespeichert. Damit messen wir die Conversion dieser Widgets.

Informationen von Imedo:

Es werden zwei Cookies gesetzt.

– wt3_eid: dieser ist für webtrekk, ein Service, den wir nicht mehr in Anspruch nehmen werden und auch entfernen werden

– docsense_provider: Wird für das Retargeting gesetzt, es wird ein repräsentativer Provider genommen wird und dessen ID in diesem Cookieeintrag gespeichert. Dieses Cookie setzen wir, um dem Besucher auf anderen DocSense Partnern diesen Arzt / das Fachgebiet oder die Facharztrichtung bevorzugt anzuzeigen.

Den Aufruf des Widgets selbst tracken wir gar nicht.

Die Klicks auf ein Widget werden als ganz normale Profilaufrufe getrackt, welche folgende Informationen abspeichern:
– Zeitpunkt des Klicks
– ID des entsprechenden Arztes
– Integrationsseite (ist dann imedo.de)
– benutzter Browser mit Version
– referer, ist bei dem widget immer doctors.imedo.de/buttons/providers/show/

Sie haben also Recht, es sind zwei Cookies, wovon eins in Zukunft entfernt werden wird. Das andere nutzen wir, um sog. Retargeting möglich zu machen. Ziel ist es, dem Nutzer für ihn relevante Ärzte anzuzeigen. Es werden keine personenbezogenen Daten oder ähnliches mitgeschrieben.

4 Kommentare zu „Empfehlungs-Widgets auf Zahnarzt-Webseiten

    Sebastian Frost sagte:
    19. Dezember um 09:30

    Vielen Dank und Gruß an Klaus Schenkmann für den Hinweis auf diesen Artikel!

    Eine simple Lösung dem ersten Problem beizukommen, wäre den Link zu Jameda auf „NoFollow“ zu stellen, damit kein Linkjuice abfließt. Meistens hat man dazu aber keine Möglichkeit, da sich der gesamte Bereich des Widgets samt Links aus einem Script generiert, auf das man keinen Einfluss nehmen kann, da es beim Anbieter liegt. Einzige Möglichkeit bleibt somit entweder die Bewertungen selbstständig in die Webseite zu integrieren (ohne ein Widget des Anbieters) oder das Widget zumindest nicht auf der Startseite der Präsenz zu platzieren.

    Beim zweiten Aspekt stellten sich uns folgende Fragen:

    „Über das imedo Widget wird anscheinend sogar noch ein Cookie eines Drittanbieters auf dem Rechner des Besuchers platziert.“ Worauf beruht diese Feststellung, wurde das getestet? Schließlich widerspricht es doch der offiziellen Aussage von Jameda. Um welchen Cookie/Anbieter handelt es sich hierbei, dem unten genannten wt3_eid von webtrekk?

    Aber gehen wir davon aus, dass wirklich Daten erhoben werden, so sollte es doch genügen, dass Impressum der Webseite um die entsprechenden Datenschutzhinweise zu ergänzen (ähnlich wie bei der Verwendung der Widgets von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder GooglePlus), richtig!?

    Sebastian Frost sagte:
    19. Dezember um 09:59

    Dank und Gruß an Klaus Schenkmann für den Hinweis auf diesen Artikel!

    Eine simple Lösung dem ersten Problem beizukommen, wäre den Link zu Jameda auf „NoFollow“ zu stellen, damit kein Linkjuice abfließt. Meistens hat man dazu aber keine Möglichkeit, da sich der gesamte Bereich des Widgets samt Links aus einem Script generiert, auf das man keinen Einfluss nehmen kann, da es beim Anbieter liegt. Einzige Möglichkeit bleibt somit entweder die Bewertungen selbstständig in die Webseite zu integrieren (ohne ein Widget des Anbieters) oder das Widget zumindest nicht auf der Startseite der Präsenz zu platzieren.

    Beim zweiten Aspekt stellten sich uns folgende Fragen:

    „Über das imedo Widget wird anscheinend sogar noch ein Cookie eines Drittanbieters auf dem Rechner des Besuchers platziert.“ Worauf beruht diese Feststellung, wurde das getestet? Schließlich widerspricht es doch der offiziellen Aussage von Jameda. Um welchen Cookie/Anbieter handelt es sich hierbei, dem unten genannten wt3_eid von webtrekk?

    Aber gehen wir einmal davon aus, dass wirklich Daten erhoben werden, so sollte es doch genügen, dass Impressum der Webseite um die entsprechenden Datenschutzhinweise zu ergänzen (ähnlich wie bei der Verwendung der Widgets von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder GooglePlus), richtig!?

    soulrider71 geantwortet:
    19. Dezember um 13:08

    @Sebastian:

    > Worauf beruht diese Feststellung, wurde das getestet?

    Diese Aussage traf auf eine Test am 16. Dezember zu. Man kann das übriges selber testen, da jeder Browser die Cookies und Dateien die bei einem Webseitenbesuch gespeichert werden protokolliert. Diese kann man in den meisten Browsern auch als Benutzer einsehen. Näheres dazu findet man in der Hilfe Funktion der Browser.

    > Schließlich widerspricht es doch der offiziellen Aussage von Jameda.

    Nein. Jameda setzte zum aktuellen Zeitpunkt ein etag, kein Cookie. Dieses dient zur Bestimmung von Änderungen an der angeforderten Ressource und wird hauptsächlich zum Caching, also der Vermeidung redundanter Datenübertragungen, verwendet. Dieser Mechanismus lässt sich auch ganz einfach für User-Tracking missbrauchen. Dazu muss der Server lediglich jedem Anwender, der noch kein Etag schickt, eine eindeutige Zeichenkette zuordnen, die dann als Index für seine Datenbank dient. Also im Prinzip genau das gleiche wie mit Cookies – mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese Etags natürlich auch geschickt werden, wenn der Anwender Cookies durch die Einstellungen oder entsprechende Erweiterungen blockiert. Web-Seiten können mit solchen Cache-Cookies sogar Anwender wiedererkennen, die JavaScript abschalten und den privaten Modus des Browsers benutzen. Jameda benutzte beim Test am 16. Dezember allerdings keine eindeutige Zeichenkette, sondern eine allgemeine und dürfte damit kein User Tracking betreiben.

    > Um welchen Cookie/Anbieter handelt es sich hierbei, dem unten genannten wt3_eid von webtrekk?

    Dieses Statement wurde von Imedo am 06. August 2013 abgegeben und am 16. Dezember 2013 nochmal bestätigt. Unseren Untersuchungen nach würde am 16. Dezember allerdings nur eine Datei des US Unternehmens New Relic abgelegt. Deren Geschäftsmodell basiert allerdings auf Anwendungsmonitoring. Ein Cookie von docsense_provider haben wir nicht gefunden.

    Jenny sagte:
    22. April um 10:34

    Es ist schon hilfreich, wenn Patienten sich nach Zahnärzten Online umsehen können, und diese auch bewertet werden. Viele Patienten haben aber bereits den eigenen Zahnarzt, dem sie auch treu bleiben.

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