Zahnärzt:innen und Zahnzusatzversicherungen – was in der Praxis zu beachten ist

Posted on Updated on

Zahnärzt:innen sind in erster Linie Mediziner:innen – und trotzdem wird von ihnen heute weit mehr verlangt. Wer eine eigene Praxis führt, muss nicht nur medizinisch auf dem neuesten Stand bleiben, sondern auch rechtliche, betriebswirtschaftliche und versicherungsrelevante Aspekte im Blick behalten. Besonders komplex ist dabei der Umgang mit Zahnzusatzversicherungen.

Gerade bei gesetzlich versicherten Patient:innen spielen die Erstattungsgrenzen der Krankenkassen eine zentrale Rolle. Viele Behandlungen – etwa bei Zahnersatz oder Prophylaxe – werden nur teilweise oder gar nicht übernommen. Deshalb stellt sich häufig die Frage, ob und wie Zahnärzt:innen ihren Patient:innen den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung nahelegen dürfen – oder sollten.

Zwischen medizinischer Beratung und finanzieller Realität

In der täglichen Praxis müssen Behandlungsmöglichkeiten nicht nur medizinisch begründet sein – auch die finanzielle Tragbarkeit für gesetzlich Versicherte ist entscheidend. Ein hochwertiger Zahnersatz, etwa mit Implantaten oder Keramikkronen, wird von den gesetzlichen Kassen nur mit einem Festzuschuss bezuschusst. Die verbleibenden Eigenanteile können schnell mehrere Tausend Euro betragen.

Eine Zahnzusatzversicherung kann hier eine sinnvolle Absicherung sein – vor allem dann, wenn absehbar ist, dass in den kommenden Jahren aufwendigere Behandlungen anstehen könnten. Allerdings ist die Empfehlung eines konkreten Tarifs durch die behandelnde Praxis mit Vorsicht zu genießen.

Warum pauschale Empfehlungen problematisch sind

Die Vielfalt an Tarifen ist groß – ebenso wie die Unterschiede bei Leistungsumfängen, Wartezeiten, Höchstsummen und Erstattungslimits. Hinzu kommt: Versicherungsbedingungen ändern sich regelmäßig. Was heute ein sehr guter Tarif ist, kann in einigen Monaten schon nicht mehr verfügbar oder wirtschaftlich attraktiv sein.

Deshalb sollten Zahnärzt:innen darauf verzichten, konkrete Produkte oder Anbieter zu empfehlen. Stattdessen ist es sinnvoll, auf die grundsätzliche Bedeutung einer privaten Absicherung hinzuweisen – insbesondere bei hohem zu erwartendem Eigenanteil. Patient:innen können sich dann selbstständig informieren und verschiedene Tarife vergleichen.

Empfehlung: Informieren statt vermitteln

Zahnärzt:innen sollten ihre Patient:innen zur eigenständigen Recherche ermutigen – zum Beispiel über neutrale Vergleichsportale. Auch der Hinweis, bei Versicherungsvermittlern genau nachzufragen und die Angebote kritisch zu hinterfragen, ist wichtig. Denn auch hier gibt es – wie in jeder Branche – unseriöse Anbieter mit Eigeninteressen.


Quellen:
– Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) – Patienteninformationen Zahnersatz 2025
– Stiftung Warentest – Zahnzusatzversicherungen im Vergleich (Ausgabe 05/2025)
– Verbraucherzentrale – Was bei Zahnzusatzversicherungen zu beachten ist (2024)
– zahnversicherung-ratgeber.de – Tarifvergleich und Grundlagenwissen (abgerufen 2025)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert